Led Zeppelin - Live DVD

 
Rabatz
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Led Zeppelin - Live DVD

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Gepostet: 12.01.2010 - 14:26 Uhr  ·  #1
Zum Abschluss meines Reziquartetts möchte ich mal ein paar Zeilen zum Livewerk der Band beisteuern. Schließlich soll das Beste ja den Schluss bilden :) Nach einigem Hin- und Herüberlegen viel die Wahl auf die 2003 veröffentlichte 2 DVD. Die übrigen Kandidaten (BBC Sessions, How the West was won oder das eine oder andere Booti) sind auch klasse. Aber die DVD enthält die komplette Bandhistorie von den Anfangs- bis zu den Schlusstagen und verdiente daher aus meiner Sicht den Vorzug.

Nach dem Bandende im Jahr 1980 folgte für LZ-Fans eine lange Dürrephase. Zyniker meinen, Bonham wäre ob der Ahnung, was die Musikwelt in den 80ern bereithält, dahingeschieden. Nun, diese Herrschaften kannten die 90er noch nicht :lol: (O.K. sooo schlimm waren die 90er auch nicht). Als verdurstender Fan nahm ich jedenfalls diese DVD mit großer Freude zur Kenntnis. Auf dem Cover eine rotbraune Wüstenlandschaft. Darüber ein stahlblauer Himmel und in der Mitte ein Felsen gleich einem steingewordenen Ausrufezeichen! Was soll ich sagen?! HER DAMIT, RIN DAMIT und siehe da: DIE WÜSTE LEBT!

Zu den Zutaten dieses exquisiten Sahnetörtchens zählt - chronologisch betrachtet - z.B. eine im März 1969 für das dänische Fernsehen in Schwarz Weiß aufgenommene Show, welche 4 Stücke beinhaltete: Communication breakdown, Dazed and confused, Babe I'm gonna leave you und How many more times. Von vielen, mir bekannten Klasseversionen sind mir diese 4 die Liebsten. Zwar hießen die Buben nun LZ und nicht mehr The New Yardbirds. Trotzdem ist die Show zeitlich so nahe an der Bandgründungsphase angesiedelt, dass der Hörer einen realistischen Eindruck davon bekommt, wie diese New Yardbirds wohl geklungen haben mögen. Nämlich rau, pur, energetisch und trotz des alten Bluesgewandes neu! Neu insofern, als dass hier ein eigentlicher Bluesgitarrist Bluesnummern spielt, welche so gar nicht nach Blues klingen. Die beiden Paradebeispiele sind hier für mich Dazed and Confused sowie How many more times. Bereits die Studioversionen konnten überzeugen. Aber live legen alle 4 Musiker - jeder für sich und im Verbund erst recht - noch einmal mehrere Schüppchen drauf. Das mich fazinierende an diesen alten Aufnahmen ist der Umstand, dass zum einen Plant nie wieder so rau und zum anderen John Paul Jones auf einer Konserve nie wieder so bassmächtig rüberkam. Diese halbstündige Show ist für mich All Time Ohrenstrom pur. Hier demonstrieren 4 Toppmusiker, dass sie im Zusammenwirken mehr sind als die Summe der Einzelbeiträge und einem spielerisch begrenzten Genre wie dem Blues Fazetten abgewinnen können, welche man nie müde wird zu hören. Und dies zudem garniert mit dem Faktor hoher Alltagstauglichkeit. Andere Bands höre ich stimmungsabhängig, was i.d.R. auf den Krautbereich zutrifft (O.K. Diese Stimmungen habe ich oft :lol: ). LZ kann ich Live immer ab; die Jungs fazinieren mich stets aufs Neue. Daher liebe ich diese Band.

Die DVD liefert ferner einen 1970er Konzertmitschnitt aus der Albert Hall. Die Band tourte zu diesem Zeitpunkt ununterbrochen seit knapp 2 Jahren. Dies vornehmlich in den USA, wo LZ bereits die großen Stadien füllte, während sie in ihrem Heimatland von der dortigen Presse nach wie vor stiefmütterlich behandelt worden sind. Das Repertoire bezogen LZ aus ihren beiden ersten Studioalben. Dieses wurde auf der Bühne nach allen Regeln der Spielkunst teilweise elegisch (Dazed and confused) ausgebaut und bot Jimmy Page reichlich Gelegenheit, sein einzigartiges Gitarrenspiel zu präsentieren. Saitenhexer kennt die Rockbranche zu Hauf. Indessen verfügen nur sehr wenige Gitarristen über ein unverwechselbares Spiel, welches einen hohen Wiedererkennungswert aufweist. Jimmy Page gehört für mich dazu: Niemand klingt wie er. Chris Robinson beantwortete einmal die Frage, wie er denn den gemeinsamen Bühnenauftritt von den Black Crowes mit Page empfunden hätte, mit der simplen Bemerkung und dabei strahlenden Augen:" It's Jimmy Page, man!!" Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.

Die 2. DVD wird von einer 1972 open air mitgeschnittenen Version des Immigrant songs eröffnet. Wer glaubte, die Studioversion sei nicht zu toppen, der sah diese Prachtnummer nunmehr um ein Starkstromgitarrensolo bereichert. Ein echter Leckerschmecker. Gleiches gilt für die sich anschließenden 4 Titel aus dem 1973er Auftritt im Madison Square Garden. Zu diesem Zeitpunkt war LZ bereits ein sattsam etablierter Toppact in den Staaten. Jede dieser Nummern wird von Pages mächtiger Gitarrenarbeit geprägt, welche auf den Studioaufnahmen nicht (jedenfalls nicht in dieser Intensität) vorhanden ist.

Es folgen 6 Titel, welche 1975 im Earls Court aufgenommen worden sind. Plant zeigt sich bei den entspannten Unplugged Nummern auf seinem gesanglichen und optischen Zenit (stets mit einem Lächeln die güldene Mähne aus dem Gesicht streichend: Nun ja, wer hat, der hat :lol: ), während Page mit einer stoischen "kleiner Chinese" Miene danebensitzt und akustisch begleitet. Die 2. Hälfte dieses Blocks gestaltet sich in mittlerweile bekannter strompotenter Manier. Titel wie In my time of dying oder Trampled underfoot kesseln hier gleich mehrere Stufen kräftiger als dies im Studio der Fall war.

Schließlich enthält der Bildträger Auschnitte des 1979er Knebworth Konzerts, welches für mich ein absolutes Granatenfinale ist. Während ringsum Punkbands der Musikszene ihren Stempel aufdrückten und alte Bands verdrängten, präsentierten sich LZ (im Vergleich zu den Vorjahren) frisch und in optisch abgespeckter Form. Die 7 Stücke röhren aus einem Guss, wobei Achilles last stand für mich dabei den Höhepunkt bildet. Es ist für mich immer wieder eine Freude zu sehen, wie sich Page durch sein geniales Solo geradezu hindurcharbeitet und dabei ,mit sich und seinem Spiel zufrieden, lächelt.

1980 kam LZ auf ihre Europatournee. Am 17.06.1980 spielten sie in der Dortmunder Westfalenhalle, wir alle natürlich darunter. Das Repertoire deckte sich im Wesentlichen mit den o.g. Earls Court bzw. Knebworthaufnahmen. Nach dem (begeisternden) Konzert trafen wir einen alten Weggefährten, welcher inzwischen mit Kind und Kegel in Amsterdam auf einem Hausboot lebte (und dies m.W. immer noch tut :P ). Er meinte, noch 2 Karten für das folgende Samstagskonzert in Rotterdam übrig zu haben, welche nach gefühlten 2 Sekunden den Eigentümer wechselten. Am 21.06.1980 waren wir dann bei einem Konzert zugegen, welches ich bis zum heutigen Tage als das beste, je Gehörte in Erinnerung habe (und ich glaube, einges Gutes gehört zu haben :8) ). Man muß einfach dabei gewesen sein: Die Halle war mit vielleicht 10.000 Leuten rappelvoll und die Akustik des Gebäudes fantastisch. Zudem konnte auf Bühnennebel verzichtet werden; schließlich befand man sich in den Niederlanden :lol: Im Vergleich zum eher traditionell zurückhaltenden deutschen Publikum waren die Holländer von Beginn an euphorisch. Dies belohnte die Band mit einem superben Auftritt. Besonders deutlich ist mir dabei John Paul Jones in Erinnerung geblieben. Nie wieder durfte ich hören, welch mächtig zupackendes Bassfundament er dem Spiel der Band beisteuert. Während dieses knapp 2 stündigen, (wie) im Rausch dahinfliegenden Auftritts hatte man das Gefühl, von diesem pulsierend hypnotischen Sound geradezu eingebettet zu sein. Ein höchstes Lob an die Tontechniker!

Auf der Rückfahrt (natürlich über Amsterdam; nirgendwo sonst haben Wintergärten dieses einmalige "Flair" :lol: ) war uns nicht klar, dass wir Zeugen des unmittelbar bevorstehenden Bandfinales geworden sind. Noch Heute ärgere ich mich gelegentlich über Plants standhafte Weigerung eines LZ Neustarts. Klar, seine Hochtonbrillianz ist dahin und kommt nicht wieder. Große Stadien und schlecht beschallte Hallen sollte er meiden. Aber selbst der (hier natürlich stehende :8) ) LZ Auftritt in der O2 Arena vom 10.12.2007 zeigt, dass die Band immer noch über ein herausragendes Potenzial verfügt (obwohl im direkten Vergleich der einstige Glanz wohl unwiederbringlich dahin ist). Plants letzte Soloalben hätten nach meinem Dafürhalten im LZ-Gewand ein deutlich lauteres Hörerecho erfahren. Aber was solls: Zumindest im CD-Player ist noch niemand gealtert :lol:
stanweb
 
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Re: Led Zeppelin - Live DVD

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Gepostet: 12.01.2010 - 15:20 Uhr  ·  #2
Diese DVD finde ich richtig Klasse.

"Song Remains The Same" wollte bei mir nie so recht zünden, hier gefällt mir z.B. das Roayal Albert Hall Konzert ausgesprochen gut.
hmc
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Re: Led Zeppelin - Live DVD

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Gepostet: 12.01.2010 - 15:54 Uhr  ·  #3
ist das die mit der Wüste auf dem Cover?

Falls ja, so teile ich die Meinung des Verfassers, klasse Teil das ich immer wieder gern schaue/höre.

@Rabatz, danke für deine Mühe, sie hat sich gelohnt für uns.
Tom Cody
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Re: Led Zeppelin - Live DVD

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Gepostet: 12.01.2010 - 19:12 Uhr  ·  #4
Rabatz, besten Dank. Ein klasse Abschluß Deiner LZ- Rezitationen.

Habe festgestelt, daß diese von Dir so intensiv beschriebene DVD bei mir auch im Regal steht. Bei nächster Gelegenheit (sturmfreie Bude :lol:), weiß ich, was in den Player kommt.
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Re: Led Zeppelin - Live DVD

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Gepostet: 12.01.2010 - 20:17 Uhr  ·  #5
Jaja, diese feine DVD. Vor Jahren habe ich sie oft bei einem Freund gesehen und gehört. Im Regal hier steht sie nicht.
Tom Cody
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Re: Led Zeppelin - Live DVD

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Gepostet: 13.04.2012 - 10:20 Uhr  ·  #6
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