Schinden - Schinderhannes
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Herkunft [Bearbeiten]
Der Name „Schinderhannes“ verweist auf die Tätigkeit des jungen Bückler, der bei zwei Wasenmeistern, die mancherorts auch Schinder genannt werden, als Lehrjunge gearbeitet und dort den Rufnamen erhalten hatte; so seine Aussage im späteren Ermittlungsverfahren 1802/03. Auch seine Vorfahren väterlicherseits waren seit Generationen Schinder gewesen.
Der älteste bekannte Vorfahre Johannes Bücklers ist Sebastian Bickler, Henker und Wasenmeister von Kirchberg und Koppenstein, der an der nach dem Dreißigjährigen Krieg verfallenen Mühle Wallenbrück dem Wasnerhandwerk nachging. Er selbst stammte wohl, so die Aussagen seines Sohnes Hans-Adam, aus einer alten Scharfrichter- und Schinderfamilie.
Der Sohn Hans-Adam (auch Johann Adam) Pickler (1649–1720) führte nach seiner Bestätigung vom 13. November 1679 beide Ämter auf der Wallenbrück fort. Die Franzosen forderten während der Pfälzischen Erbfolgekriege eine von ihm nicht erbringbare Kontribution; daher wurde er 1693 abgesetzt und durch den Scharfrichter Dillendorf aus Corray bei Zell an der Mosel ersetzt. 1697, nach Kriegsende, konnte Hans-Adam Bickler jedoch zurückkehren.
1673 wurde Niclas Bickler, der Urgroßvater des „Schinderhannes“, auf der Wallenbrück als Sohn von Hans-Adam Bickler und seiner Frau Margaretha, Tochter des Wasenmeisters Coller von Bernkastel, geboren. Auch er blieb zunächst vor Ort, verließ jedoch 1703 die Familie und ging nach Hilscheid bei Thalfang. Nachdem 1708 die Vordere Grafschaft Sponheim zwischen Baden und Kurpfalz aufgeteilt und die Wallenbrück zum badischen Grenzort geworden war, suchten dort immer mehr Kriminelle und gerichtlich Gesuchte Zuflucht. Nach dem Tod seines Vaters und schweren Erbstreitigkeiten zwischen ihm und seiner Stiefmutter Eva Marie gelang es Niclas Bickler, den Erbstandsbrief zu erhalten. Das Oberamt Kirchberg hob die Entscheidung jedoch anderthalb Jahre später, am 16. Februar 1722, wieder auf; Eva Bickler erhielt nun den Brief. In Folge weiterer ruinöser Erbschaftsstreitigkeiten musste die Wallenbrück am 31. August 1733 zwangsversteigert werden. Sie ging an den Naumburger Scharfrichter Matthias Nagel, der sie 1738 an seinen Schwiegersohn Johann Leonard North weitergab, welcher sie wiederum von Johannes Bickler bewirtschaften ließ.
Otto Philipp Bickler, Niclas’ Sohn, wurde Scharfrichter in Wartelstein, dem heutigen Schloss Wartenstein bei Kirn. In diesem Amt folgte er Mattias Nagel, einem Enkel Matthias Nagels, nach. Bickler ging 1754 nach Merzweiler. Später erlernte Johannes Bückler, der Schinderhannes, bei Mattias Nagel das Schinderhandwerk. Nagel, der auch als Wundheiler bekannt war, versorgte Bückler nach Überfällen und Ausbrüchen ärztlich.
In Merzweiler wurde Johannes Bickler, Schinderhannes’ Vater, geboren. Dieser heiratete schließlich Anna Maria Schmidt in Miehlen bei Nastätten im Hintertaunus. Die Eltern Bücklers flüchteten 1783 wegen eines Holzfrevels und eines Wäschediebstahls der Mutter aus Miehlen. 1784 ließ sich der Vater für sechs Jahre vom österreichischen Heer anwerben. Er diente in Mähren, desertierte 1789 und kehrte zunächst in seinen Geburtsort Merzweiler zurück.
Johannes Bückler kehrte um 1800 auf die Wallenbrück zurück, wo er, in der nun von Conrad Weyrich betriebenen Mühle, Pferde zu stehlen versuchte. Ein weiterer längerer Aufenthaltsort in der Nähe war die zu Dickenschied gehörende Siedlung Scheidbach.
Leben [Bearbeiten]
Die kriminelle „Karriere“ des jungen Bücklers beginnt im Alter von 15 Jahren: Er unterschlägt einen Louis d’or, mit dem er im Nachbardorf Branntwein kaufen sollte. Seine erste Lehrzeit bei dem Wasenmeister Nagel in Bärenbach endet mit öffentlichen Rutenschlägen, da ihm vorgeworfen wird, er habe seinem Meister sechs Kalbfelle und eine Kuhhaut gestohlen. Nach Meinung von Bückler haben diese Felle ihm jedoch zugestanden. In der Folgezeit schließt sich Bückler einem älteren Lehrjungen, Niklas Nagel an, mit dem er Viehdiebstähle begeht. Später unterstützt er den berüchtigten Roten Fink bei dessen Diebstählen. Der dauernde Erfolg seiner Taten ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, dass durch die Kriegswirren ab 1792 der Hunsrück in einen chaotischen, beinahe anarchischen Zustand versetzt wurde. Hunger, Arbeitslosigkeit und das Fehlen der alten Ordnungsmacht ließen über zwanzig Prozent der Bevölkerung ihr Heil und Überleben in Diebstahl und Raub suchen.
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