Santana - Borboletta | 1974

 
Stattmeister
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Santana - Borboletta | 1974

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Gepostet: 15.02.2024 - 11:41 Uhr  ·  #1


SANTANA - BORBOLETTA (1974)

VÖ: Oktober 1974

Tracklist:

Seite 1
1. "Spring Manifestations (Sound Effects)" 1:05
2. "Canto de los Flores" 3:45
3. "Life Is Anew" 4:30
4. "Give and Take" 5:46
5. "One with the Sun" 4:20
6. "Aspirations" 5:12

Seite 2
7. "Practice What You Preach" 4:28
8. "Mirage" 4:43
9. "Here and Now" 3:01
10. "Flor de Canela" 2:20
11. "Promise of a Fisherman" 8:05
12. "Borboletta" 2:50

Gesamt: 49:52 min

Bis zu meinem Eintritt hier in die Manege war lediglich ein Greatest Hits Album von Santana in meinem Bestand. Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern, dass ich dieses oft auflegte. Was mir damals aber bereits auffiel: insbesondere Triskell brezelte die Truppe von Carlos regelmäßig und so wurde ich neugierig und begann mich näher mit der Gruppe zu beschäftigen. Mittlerweile stehen die ersten sechs Alben hier sowie noch einige aus der späteren Phase. Zu diesen ersten Sechs zählt auch das im Oktober 1974 erschienene Album „Borboletta“. Zusammen mit „Caravanserai“ und „Welcome“ zählt es zu den Jazz-Funk-Fusion-orientierten Alben der Band. Und: es feiert in diesem Jahr sein 50jähriges! Also Grund genug es hier kurz vorzustellen (viele im Zirkus werden es ohnehin kennen), zumal es erst kürzlich wieder auf meinem Plattenteller lag.

Die Orientierung von Carlos hin zum Jazz und Funk wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass zur Besetzung Stanley Clarke und Airto Moreira gehören und auch Jazz-Schlagzeuger Leon "Ndugu" Chancler mitwirkte. Zudem teilten sich der Saxophonist Jules Broussard und der Keyboarder Tom Coster den Großteil des Soloraums auf „Borboletta“ mit Carlos, und ihre instrumentalen Fähigkeiten gelten allgemein als die Höhepunkte der LP.

So ist „Aspirations“, das letzte Stück auf Seite 1, komponiert von Santana und Coster, ein variantenreiches, gitarrenloses Stück mit energetischen Einsätzen von Coster, Broussard, Clarke und Chancler. Dieser ersetzte nach diesem Gastspiel dann auch den bisherigen Stamm-Drummer Michael Shrieve

Eingestimmt von Geräuschen aus der Natur, bewegt sich zu Beginn der Platte „Canto De Los Flores“' im Spannungsfeld von getupften Figuren des Rhodes-Piano und den multikulturellen Trommelwellen. Hier schließt sich mit "Live Is Anew" eine druckvoll arrangierte Ballade an, gefolgt vom energetischen Beinahe-Rocker "Give And Take".

Der größte Teil der zweiten Seite wird durch einen wunderbar schwebenden Groove geprägt, der einige der stärksten Qualitäten der alten Santana-Band – rhythmischer Antrieb, thematische Variation – mit Carlos‘ fantasievollem Solospiel und den geschickt eingewobenen Beiträgen von Broussard, Coster und den Percussionisten Chancler, Moreira und Peraza verbindet. Dies tritt insbesondere im Long-Track "Promise of a fisherman" deutlich zu Tage. In 08:05 min werden noch mal alle Register gezogen und es entsteht ein dicht gewobener Klagteppich mit treibenden Percussion-Elementen und intensiven Gitarrensoli.

Was mir, ehrlich gesagt, erst jetzt auffällt ist übrigens die für damalige Verhältnisse üppige Spielzeit von fast 50 Minuten, verteilt auf "nur" zwei Seiten.

Anfänglich habe ich mit der LP etwas gefremdelt. Klar, war doch die Ausrichtung, wie oben beschrieben, eine etwas andere als beispielsweise auf den ersten drei Alben. Aber mittlerweile finde ich sie richtig stark und gehört zu meinen TOP-5 von Santana.

Musiker:
Leon Patillo – vocals (3–5, 7, 8 ), piano (8), electric piano (3, 5), organ (4)
Flora Purim – vocals (1, 11)
Jules Broussard – soprano and tenor saxophones (4, 6, 9, 11)
Carlos Santana – guitar (3-5, 7–11) percussion (2, 9), congas (7), gong (8), vocals (11), producer
Tom Coster – piano (4, 9), Hammond organ (7, 10, 11), electric piano, Fender Rhodes (2, 9–11), organ (3, 5, 6, 8 ), Moog synthesizer (4, 8 ), producer
Stanley Clarke – bass guitar (6, 9–11)
David Brown – bass guitar (2, 4, 5, 7, 8 )
Michael Shrieve – drums (2–5, 7, 8 ), producer
Leon "Ndugu" Chancler – drums (6, 9)
Airto Moreira – drums (10, 11), percussion (12), sound effects (1), triangle (11), vocals (12)
Armando Peraza – percussion, congas (2, 4–6, 8, 11), bongos (3, 6, 11), soprano saxophone (10)
José Areas – timbales (4), congas (2, 3)
Michael Carpenter – echoplex (2)

Aufnahme:
1974 von Glen Kolotkin
Produktion:
Carlos Santana, Michael Shrieve & Tom Coster
dan
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 15.02.2024 - 14:52 Uhr  ·  #2
Erst mal Danke für deine ausführliche Rezi.

Für mich, neben WELCOME und CARAVANSERAI, die Beste und meistgehörte Scheibe aus seinem Schaffen. Sind die Texte doch inzwischen sehr "fremdschämbehaftet" - wie auch bei MAHAVISHNU grüßt der Guru -, ist die Musik imho über jeden Zweifel erhaben. Bei "Promise...." "liebe" ich zum Schluss den Einsatz der Triangel. :-)

P.S.: Ist das Zufall, daß die Scheibe aktuell im G.-Forum im Cover-Rätsel war? :-)
Mr. Upduff
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 15.02.2024 - 16:15 Uhr  ·  #3
.... für mich die herausragenden Alben von Santana sind wie bei @dan die Caravanserei und die Zebob!.

... trotzdem ist die Borboletta ein tolles Durchhöralbum und das von Dir geschriebene eine tolle Durchleserezi... was mir an dem Album gefällt ist die für 1974 im Pop-Rockbereich auffälligen experimentellen Einflüssen....was mir nicht so sehr gefällt sind Gesangseinlagen...
Tom Cody
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 15.02.2024 - 17:51 Uhr  ·  #4
Mir gefallen in erster Linie das Debütwerk (Same) sowie der Nachfolger (Abraxas) der Gruppe. Songs wie "Jingo", "Soul Sacrifice" und "Oye Como Va" sind so meine Günstlinge.

Wie du richtigerweise schreibst, änderte die Band mit "Caravanserei" ihren Stil und spielte jazz Fusionsrock. Da war für mich die Tür zu. Überhaupt nicht meine Baustelle. Insoweit steht die "Borboletta" bei mir eher im unteren Bereich der Skala.

Danke für die gelungene Vorstellung ! :-D
firebyrd
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 15.02.2024 - 18:44 Uhr  ·  #5
frimp
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 15.02.2024 - 18:56 Uhr  ·  #6
Als 9-jähriger lernte ich Santana über meine Mutter kennen. Sie hatte sich die Platte „Abraxas“ frisch gekauft, weil sie Samba Pa Ti und Black Magic Woman so toll fand.
So lernte auch ich sehr früh Santana kennen. Und schätzen.
4 Jahre später, meine Mutter hatte Geburtstag und ich keine Ideen. Warum nicht eine Santana-Scheibe. Und so fand ich im Plattenladen die nagelneue Scheibe „Borboletta“ von Santana, die ich ungehört kaufte. Das Preisschild entfernt, Geschenkpapier drum, Mama geschenkt, große Freude am Geburtstagstag.

Bis sie die Scheibe hörte. Nix Samba Pati Europa Black Magic Woman. Rockig, soulig, funky, heiß, das warnix für sie.
Aber für mich. Diesmal war ich hin und weg. Ich habe diese Scheibe mit 13/14 kennen gelernt und bis heute ist die eine meiner absoluten Inselscheiben. Besonders die Kombination aus „Flor de Canela“ und „Promise of A Fisherman“ ist toll. Auf der LP gingen beide Stücke direkt ineinander über, mit einem minimalen Umschwung der Stimmung. Jazzrock? Fusion? Mir damls und auch heute völlig wurscht. Das Album ist heiss, elektrisierend, wie vieles von den alten Santana, aber dieses Album bis heute das geilste was die Truppe Santana je produzierte.
Der Titel „Give and Take“ wurde auch halbwegs ein Hit und sogar bei uns in der Disco des Jugendzentrums in Ansbach gerne aufgelegt (ähem, da hatte ich etwas nachgeholfen).
Ich freue mich richtig, diese Rezension zu lesen und an das Album erinnert zu werden. Ich bin ja sonst nicht so enthusiastisch, aber diesmal schon. Danke!
Floyd Pink
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 16.02.2024 - 12:19 Uhr  ·  #7
Ging mir ähnlich wie frimp. Im ganz frühen Alter hatte ich die Greatest Hits (mit der Taube vorne drauf), das fand ich ganz nett. Aber der richtige Stoff war dann die Moonflower, immer noch eine meiner Inselscheiben. Und tatsächlich hat mir dann ein ehemaliger Klassenkamerad (einer, mit dem ich musikalisch eigentlich gar keine Berührungspunkte hatte und der in der Bankenwelt Karriere gemacht hat - wenigstens hatte ich dadurch eine Zeitlang eine Anlaufstelle in London) die "Lotus" geschenkt - keine Ahnung wie das passieren konnte. Die fand ich natürlich auch super.Und mir dann natürlich auch die Love, Devotion & Surrender mit John McLaughlin reingezogen.
Live habe ich carlos und Co. tatsächlich mal in Tübingen Open Air gesehen, das war dann aber (leider) schon später. So richtig heiss fand ich Santana so etwa bis zur Inner Secrets, auch wenn die schon ein bißchen Richtung Kommerz ging.

Jedenfall danke für die Rezension!
holger_fischer
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 16.02.2024 - 20:03 Uhr  ·  #8
Danke für die Rezi, Dirk!

Die erste von Santana, die ich hörte, war Moonflower. Toll! Danach Caravanserai und Inner Secrets. Mittlerweile habe ich 21 Alben von Santana.

Im gleichen Jahr wie Borboletta kam die Live LP Lotus heraus (1974). Unbedingt reinhören! Die katapultiert einen auf eine andere Bewusstseinsebene.
hmc
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 17.02.2024 - 10:41 Uhr  ·  #9
Klasse Rezi.
Ich bin mit der III gestartet. Das Album ist heute noch eines meiner liebsten in meiner kleinen Sammlung.
Das hier besprochene Werk ist inzwischen mein Favorit von Carlos.
Tolle Kompositionen und wunderbare Gimmicks in Form von Triangel, Rassel, viele ungewöhnliche Percussions Anteilen und und und.
Schade das ich das Flirren (Titel weiß ich gerade nicht) von einem Kanal zum anderen nur noch als dumpfen Ton wahrnehmen kann. Scheiß Alter.
frimp
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 17.02.2024 - 13:40 Uhr  ·  #10
Jo, inzwischen habe ich auch an der Anlage die Höhen fast voll aufgerissen. Dafür nehme ich Bässe deutlicher wahr als früher und regel diese eher zurück.
holger_fischer
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 18.02.2024 - 20:38 Uhr  ·  #11
frimp
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 18.02.2024 - 23:23 Uhr  ·  #12
So schlimm isses gottseidank noch nicht.
Stattmeister
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 19.02.2024 - 09:50 Uhr  ·  #13
Ok, bevor der Thread hier ausufert: dank an alle fürs Feedback. Hatte ich mir fast gedacht, dass Borboletta von zahlreichen Artisten geschätzt wird.

@Floyd Pink- offensichtlich wurden wir ähnlich musikalisch sozialisiert ;-) bei mir war es ja auch die LP mit der Taube die mich mit Santana in Kontakt brachte. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob ich die selber erwarb oder mal geschenkt bekam.
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 19.02.2024 - 10:40 Uhr  ·  #14
@frimp; doch, ist es. Ich empfehle einen guten (!) Akustiker, der nicht nur Hörgeräte eines Herstellers verkauft, und einen Hörtest.
Übrigens, "draußen" kann man die Höhen nicht einfach aufdrehen....
Stattmeister
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 19.02.2024 - 11:52 Uhr  ·  #15
Könnt ihr bitte für Hörgeräte-Diskussionen einen eigenen Thread aufmachen?
Rock_und_Pop
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 19.02.2024 - 13:38 Uhr  ·  #16
Ich wollte nicht diskutieren und für eine Antwort einen neuen Thread aufmachen hielt ich für nicht notwendig.
Aber die Admins können ja einen Bereich erstellen für "Antworten die nicht genau reinpassen" oder so......
xanadu
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Re: Santana - Borboletta (1974)

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Gepostet: 19.02.2024 - 22:00 Uhr  ·  #17
Erstmal an @stattmeister
Sehr gut geschriebe. Tolle Rezi
Danke
Ansonsten zu Santana
Hab ich außer ein paar Best of und Live Alben, tatsächlich kein Studiolabum hier.
Dieses hatte ich damals bei einem Freund gesehen und fand das Cover interessant und durfte reinhören. Und damals war ich nicht soweit um mich auf Fusion einzulassen.
Jetzt wo ich deinen herzlichen Beitrag gelesen hatte, kam mir diese Erinnerung und hab Lust Borboletta zu hören!!!
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