Bobby Rush - Rawer Than Raw

Hier quillt so viel Feeling aus den Boxen, hervorragend!

 
firebyrd
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Bobby Rush - Rawer Than Raw

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Gepostet: 27.10.2023 - 17:18 Uhr  ·  #1
Bobby Rush - Rawer Than Raw

"Sitting On Top Of The Blues", ja da sass der 1933 geborene Blues- und Rhythm & Blues- Musiker Bobby Rush aka Emmett Ellis, Jr. vor einem Jahr. Das Album war durchzogen von Elementen des Chicago Blues und des Southern Soul. Ein Song, "Recipe For Love", war rein akustisch arrangiert. Und daran scheint der Musiker mit "Rawer Than Raw" dann auch anknüpfen zu wollen. Allein das Cover deutet schon darauf hin, der Mann befindet sich auf dem Land und füttert Hühner.

Nun, die Songs sollen ein Tribut an die reichhaltige Blues-Geschichte der Mississippi-Region sein, und da bietet sich der reduziert akustische Rahmen natürlich an. Mississippi Blues, Delta Blues, da denkt man unwillkürlich an solche Musiker wie Charley Patton, Bukka White, Mississippi Fred McDowell, Mississippi John Hurt, Son House oder Robert Johnson. Schaue ich jedoch auf die Tracklist, so entdecke ich neben Eigenkompositionen auch solche von Howlin' Wolf, Willie Dixon oder Sonny Boy Williamson, also eher dem Chicago Blues zuzurechnende Künstler . Nur Songs Robert Johnson und Skip James sind als typische Vertreter des Stil vorhanden.

Aufgenommen in Jackson, Mississippi, soll es einige Jahre gedauert haben, bis alle Songs fertig waren für diese Platte. "Down In Mississippi", mit dieser Eigenkomposition führt uns der 86-jährige Rush mit Gitarre, Harmonica und noch kraftvoll rauer Stimme mitten in das Delta, ja, das strahlt genau diese Authentizität aus, die so manch' moderner Bluesproduktion fehlt. Nun, hier ist ja auch ein echter Könner und Kenner der Zeitgeschichte am Werk. "Hard Times", yeah - das klingt wahrlich überzeugend, mit dem Füssen schlägt Rush den Rhythmus, die Gitarre ist ganz karg und mit stechendem Sound eindrucksvoll eingesetzt. Hier quillt so viel Feeling aus den Boxen, hervorragend!

Mit "Smokestack Lightning" geschieht es dann, dass dieser klassische Chicago Blues zurück in das Delta beordert wird, denn hier liegen schließlich die Quellen, und das funktioniert einwandfrei. "Rawer Than Raw", ja, der Titel passt schließlich, wenn man sich fallen lässt in diesen hypnotischen Blues, der nur durch das Harmonica-Solo Abwechslung erhält. Das geht bereits in Richtung Trance! Doch so heftig, wie es von einigen Künstlern des Labels Fat Possum, wie R.L. Burnside oder Junior Kimbrough praktiziert wird, spielt es Bobby Rush nicht, er hält sich durchaus an die alte archaische Spielweise des Mississippi Blues und spielt ihn so, als hätten wir eine Zeitmaschine betreten. Sein Gesang weist dieses spezielle Raue auf, wie man es ganz besonders von Bukka White kennt.

"Honey Bee, Sail On", das dürfte im Original von Muddy Waters stammen, ist in der Tracklist leider nicht aufgeführt, das wird auch so gespielt, wie es Muddy einst tat, bevor er sich dem Chicago Blues zuwandte, nachzuhören auf seinen " Plantation Recordings", 1941/2 von Alan Lomax in Mississippi aufgenommen. Und zum Schluss dann ein wahrer Klassiker, "Dust My Broom", den Viele wahrscheinlich erst durch die Version von Elmore James kennen lernten. Diese Version liegt stilistisch irgendwie zwischen Robert Johnson und Elmore James, sehr druck- und eindrucksvoll interpretiert. Ja, mit dieser Veröffentlichung ist dem Blueser Rush ein grossartiges Album gelungen!

Bobby Rush (vocal, guitar, harmonica, feet)

1 Down in Mississippi
2 Hard Times
3 Let Me in Your House
4 Smokestack Lightning
5 Shake It for Me
6 Sometimes I Wonder
7 Don't Start Me Talkin'
8 Let's Make Love Again
9 Honey Bee, Sail On
10 Garbage Man
11 Dust My Broom

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