Zu den Alben von Peter Gabriel muss ich gestehen, dass ich ihn nach seinem Ausstieg bei GENESIS zunächst völlig aus den Augen verlor. Wiederentdeckt hatte ich ihn erst 1982 mit seinem Album "IV (Secret)", welches jedoch auch erst einmal für einige Jahre im Regal verstaubte. Warum? Dies hatte ich seinerzeit ---> an dieser Stelle beschrieben.
Lange Zeit später hatte ich mich wieder mit diesem Album beschäftigt, und danach erst arbeitete ich mich rückwärts durch seine Werke. So landete auch irgendwann eines seiner älteren Alben im Regal.
Wiederentdeckt und damit mehrmals durchgehört hatte ich das Album vor einiger Zeit, als ich hier im Forum mehrere Alben von Peter Gabriel verbrezelt hatte. Also, auf geht's.
Peter Gabriel - III (Melt) | UK 1980 | Rock
Sein erstes Soloalbum nach seiner Genesisphase enthielt bereits einige beachtenswerte Songs, neben dem bekannten Solsbury Hill oder Homedrum den für mich besten Song des Albums, Here Comes The Flood. Es folgte "II (Scratch)" mit den tollen Titeln D.I.Y., On The Air oder White Shadow. Als Gesamtwerk hat mich jedoch erst sein drittes Album erreicht - für mich sein erstes ausgereiftes, in sich stimmiges Soloalbum.
Die Liste derer, die an diesem Album mitwirkten, scheint unendlich. David Rhodes, Robert Fripp, Tony Levin sowie Kate Bush oder Jerry Marotta und viele andere mehr sind hier vertreten. Offensichtlich darf man sich hier also auf ein überraschendes Hörerlebnis freuen. Und so ist es dann auch - "Melt" ist ein zwar sehr experimentelles, gleichzeitig aber auch zugängliches Album, welches mit einer wahren Hymne abschließt.
Zuerst aber zum Opener. Gleichmäßiges Trommeln und Geknarze läutet düster und bedrohlich Intruder das Album ein, ein Song, der mich ein wenig an sein späteres Lay Your Hands On Me erinnert. Wenngleich es sich hier um das wohl unheilvollste Stück des Albums handelt, bleibt die Grundstimmung insgesamt doch etwas düster - von wenigen Ausnahmen abgesehen.
Erst einmal geht es jedoch in dieser Tonart weiter. Der paranoide Text des Songs No Self Control beschreibt die Unfähigkeit, das eigene destruktive Verhalten zu beenden, was durch den unheilvollen Rhythmus der Musik noch unterstrichen wird. Bestens in Szene gesetzt wird dies durch Gabriels Musikclip:
No Self Control
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=gL2EOc216ZA
Start ist ein feines, kleines Instrumentalstück, mit dem Gabriel bestens beweist, über welches kompositorisches Talent er verfügt. Mir ist es mit 1:22 ein wenig zu kurz, hier hätte er sich gerne ein wenig länger austoben können.
In krassem Gegensatz zu der schönen, einschmeichelnden Melodie von Start steht der darauf folgende Song I Don't Remember. Ein starker Titel, der in der filmischen Umsetzung bestens das Gefühl beschreibt, in sich selbst gefangen zu sein, nicht zu wissen, wohin die Reise geht und einen gewissen Kontrollverlust zu verspüren. I Don't Remember ist für mich eines der Highlights dieses Albums.
I Don't Remember
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=9k_ZRyws8Uc
It's a matter of time / It's a matter of will / And the governor's car is not far behind / He's not the one I've got in mind / 'Cause there he is / The man of the hour / Standing in the limousine / I don't really hate you / I don't care what you do / We were made for each other, me and you / I want to be somebody / You were like that, too.
Dies sind einige Textzeilen des Songs Family Snapshot, der in die Gedankenwelt eines psychisch gestörten Attentäters eintaucht und auf das Attentat an J.F.Kennedy anspielt. Ein toller Song, wobei die Melodie des Stückes stellenweise positiver klingt als es die Aussage des Textes vermuten lässt. Bei diesem Titel handelt es sich trotz des verstörenden Inhaltes schon allein der Melodie wegen um eine durchaus radiotaugliches Stück.
Weiter geht es auf dem Album mit And Through The Wire, zu dem Paul Weller (JAM) den Gitarrenpart beisteuerte. Gabriel soll einmal über THE JAM gesagt haben, "Ich mag sie sehr. Sie gehören zu den neuen Bands, die die besten Songs geschrieben haben. Sie sind wirklich sehr gut.“
Es folgt der wohl erste Klassiker dieses Albums. Games Without Frontiers wird im ultraschlauen Internet u.a. wie folgt interpretiert wird:
"Games Without Frontiers" ist eine Metapher für internationale Beziehungen und eine Politik, die wie kindliche, oft absurde Spiele wirken, mit ernsten Konsequenzen; der Song kritisiert Nationalismus und Krieg und nutzt die bekannte europäische TV-Show "Jeux sans frontières" als Symbol, um zu zeigen, dass politische Machtkämpfe oft nur „Kriege ohne Tränen“ sind, aber dennoch zerstörerisch sein können.
Der Song lebt von seinem eindringlichen Groove, der zum Mitsummen geeigneten Melodie und natürlich mal wieder von Gabriels eindringlicher Stimme, die wohl in der Rockwelt seinesgleichen sucht.
Games Without Frontiers
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=95SWMqzM_Sg
Mit nicht weniger Groove folgt Note Of Us, Gabriels Stimme scheint ein wenig hinter die Rhythmustruppe zu rücken. Fast hysterisch schallt uns die Refrain "Note Of Us" entgegen. Hier wird uns eine durchaus tanzbare Nummer beschert, an die sich das (Fast) Instrumentalstück Lead A Normal Life anschließt. Dieser Song geht bereits ein wenig in Richtung Weltmusik, der sich Gabriel später weit öffnet und vielen bislang unbekannten Küstlern den Weg in den Erfolg ebnete.
Sollte dieses Album einmal in Vergessenheit geraten - eines wird bleiben. Biko, ein von den dumpfen Drums und Gabriels Stimme dominierter Anti Apartheid-Song, der auf seinen Konzerten oft als letzte Zugabe gespielt wurde. Was aber sollte nach diesem Statement, diesem wuchtigen Stück noch folgen? Gewidmet dem südafrikanischen Anti-Apartheid-Aktivisten Steve Biko, der am 12. September 1977 an schweren Kopfverletzungen und Hirnblutungen, verursacht durch Folter in Polizeigewahrsam, verstarb. So reckte nicht nur Gabriel am Ende des Songs am Bühnenrand seine Fäuste in die Hände, auch das Publikum tat es ihm gleich - ein Symbol für Solidarität, Stärke und Widerstand
Biko
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=wVsckdlctm0
Biko (mit Orchester
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=LkqQUdXSqPc
Gabriels drittes Album, "Melt", wird ab und an mit dem Prädikat "sein Meisterwerk" beschrieben. Es handelt sich in der Tat um ein hervorragendes Werk, für mich jedoch bleibt "IV - Secret" die Messlatte. Allerdings könnte ich mich, wenn es in einer Diskussion darum gehen sollte, ohne Weiteres auf ein "Unentschieden" einigen und "Melt" und "Secret" auf eine Stufe stellen. Bleibt anzumerken, dass dieses Album auch deutschsprachig aufgelegt wurde, "Ein Deutsches Album".
[Die Songs]
* Intruder
* No Self Control
* Start
* I Don’t Remember
* Family Snapshot
* And Through the Wire
* Games without Frontiers
* Not One of Us
* Lead a Normal Life
* Biko
[Die Band]
Peter Gabriel: Voice, Keyboards.
Phil Collins: Drums
Jerry Marotta: Drums, Percussion.
Robert Fripp: Gitarre.
David Rhodes: Gitarre
Paul Weller (The Jam/Style Council): Gitarre.
Dave Gregory (XTC): Gitarre.
Kate Bush: Gesang (auf "Games Without Frontiers").
Lange Zeit später hatte ich mich wieder mit diesem Album beschäftigt, und danach erst arbeitete ich mich rückwärts durch seine Werke. So landete auch irgendwann eines seiner älteren Alben im Regal.
Wiederentdeckt und damit mehrmals durchgehört hatte ich das Album vor einiger Zeit, als ich hier im Forum mehrere Alben von Peter Gabriel verbrezelt hatte. Also, auf geht's.
Peter Gabriel - III (Melt) | UK 1980 | Rock
Sein erstes Soloalbum nach seiner Genesisphase enthielt bereits einige beachtenswerte Songs, neben dem bekannten Solsbury Hill oder Homedrum den für mich besten Song des Albums, Here Comes The Flood. Es folgte "II (Scratch)" mit den tollen Titeln D.I.Y., On The Air oder White Shadow. Als Gesamtwerk hat mich jedoch erst sein drittes Album erreicht - für mich sein erstes ausgereiftes, in sich stimmiges Soloalbum.
Die Liste derer, die an diesem Album mitwirkten, scheint unendlich. David Rhodes, Robert Fripp, Tony Levin sowie Kate Bush oder Jerry Marotta und viele andere mehr sind hier vertreten. Offensichtlich darf man sich hier also auf ein überraschendes Hörerlebnis freuen. Und so ist es dann auch - "Melt" ist ein zwar sehr experimentelles, gleichzeitig aber auch zugängliches Album, welches mit einer wahren Hymne abschließt.
Zuerst aber zum Opener. Gleichmäßiges Trommeln und Geknarze läutet düster und bedrohlich Intruder das Album ein, ein Song, der mich ein wenig an sein späteres Lay Your Hands On Me erinnert. Wenngleich es sich hier um das wohl unheilvollste Stück des Albums handelt, bleibt die Grundstimmung insgesamt doch etwas düster - von wenigen Ausnahmen abgesehen.
Erst einmal geht es jedoch in dieser Tonart weiter. Der paranoide Text des Songs No Self Control beschreibt die Unfähigkeit, das eigene destruktive Verhalten zu beenden, was durch den unheilvollen Rhythmus der Musik noch unterstrichen wird. Bestens in Szene gesetzt wird dies durch Gabriels Musikclip:
No Self Control
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=gL2EOc216ZA
Start ist ein feines, kleines Instrumentalstück, mit dem Gabriel bestens beweist, über welches kompositorisches Talent er verfügt. Mir ist es mit 1:22 ein wenig zu kurz, hier hätte er sich gerne ein wenig länger austoben können.
In krassem Gegensatz zu der schönen, einschmeichelnden Melodie von Start steht der darauf folgende Song I Don't Remember. Ein starker Titel, der in der filmischen Umsetzung bestens das Gefühl beschreibt, in sich selbst gefangen zu sein, nicht zu wissen, wohin die Reise geht und einen gewissen Kontrollverlust zu verspüren. I Don't Remember ist für mich eines der Highlights dieses Albums.
I Don't Remember
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=9k_ZRyws8Uc
It's a matter of time / It's a matter of will / And the governor's car is not far behind / He's not the one I've got in mind / 'Cause there he is / The man of the hour / Standing in the limousine / I don't really hate you / I don't care what you do / We were made for each other, me and you / I want to be somebody / You were like that, too.
Dies sind einige Textzeilen des Songs Family Snapshot, der in die Gedankenwelt eines psychisch gestörten Attentäters eintaucht und auf das Attentat an J.F.Kennedy anspielt. Ein toller Song, wobei die Melodie des Stückes stellenweise positiver klingt als es die Aussage des Textes vermuten lässt. Bei diesem Titel handelt es sich trotz des verstörenden Inhaltes schon allein der Melodie wegen um eine durchaus radiotaugliches Stück.
Weiter geht es auf dem Album mit And Through The Wire, zu dem Paul Weller (JAM) den Gitarrenpart beisteuerte. Gabriel soll einmal über THE JAM gesagt haben, "Ich mag sie sehr. Sie gehören zu den neuen Bands, die die besten Songs geschrieben haben. Sie sind wirklich sehr gut.“
Es folgt der wohl erste Klassiker dieses Albums. Games Without Frontiers wird im ultraschlauen Internet u.a. wie folgt interpretiert wird:
"Games Without Frontiers" ist eine Metapher für internationale Beziehungen und eine Politik, die wie kindliche, oft absurde Spiele wirken, mit ernsten Konsequenzen; der Song kritisiert Nationalismus und Krieg und nutzt die bekannte europäische TV-Show "Jeux sans frontières" als Symbol, um zu zeigen, dass politische Machtkämpfe oft nur „Kriege ohne Tränen“ sind, aber dennoch zerstörerisch sein können.
Der Song lebt von seinem eindringlichen Groove, der zum Mitsummen geeigneten Melodie und natürlich mal wieder von Gabriels eindringlicher Stimme, die wohl in der Rockwelt seinesgleichen sucht.
Games Without Frontiers
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=95SWMqzM_Sg
Mit nicht weniger Groove folgt Note Of Us, Gabriels Stimme scheint ein wenig hinter die Rhythmustruppe zu rücken. Fast hysterisch schallt uns die Refrain "Note Of Us" entgegen. Hier wird uns eine durchaus tanzbare Nummer beschert, an die sich das (Fast) Instrumentalstück Lead A Normal Life anschließt. Dieser Song geht bereits ein wenig in Richtung Weltmusik, der sich Gabriel später weit öffnet und vielen bislang unbekannten Küstlern den Weg in den Erfolg ebnete.
Sollte dieses Album einmal in Vergessenheit geraten - eines wird bleiben. Biko, ein von den dumpfen Drums und Gabriels Stimme dominierter Anti Apartheid-Song, der auf seinen Konzerten oft als letzte Zugabe gespielt wurde. Was aber sollte nach diesem Statement, diesem wuchtigen Stück noch folgen? Gewidmet dem südafrikanischen Anti-Apartheid-Aktivisten Steve Biko, der am 12. September 1977 an schweren Kopfverletzungen und Hirnblutungen, verursacht durch Folter in Polizeigewahrsam, verstarb. So reckte nicht nur Gabriel am Ende des Songs am Bühnenrand seine Fäuste in die Hände, auch das Publikum tat es ihm gleich - ein Symbol für Solidarität, Stärke und Widerstand
Biko
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=wVsckdlctm0
Biko (mit Orchester
Eingebettetes Medium: https://www.youtube.com/watch?v=LkqQUdXSqPc
Gabriels drittes Album, "Melt", wird ab und an mit dem Prädikat "sein Meisterwerk" beschrieben. Es handelt sich in der Tat um ein hervorragendes Werk, für mich jedoch bleibt "IV - Secret" die Messlatte. Allerdings könnte ich mich, wenn es in einer Diskussion darum gehen sollte, ohne Weiteres auf ein "Unentschieden" einigen und "Melt" und "Secret" auf eine Stufe stellen. Bleibt anzumerken, dass dieses Album auch deutschsprachig aufgelegt wurde, "Ein Deutsches Album".
[Die Songs]
* Intruder
* No Self Control
* Start
* I Don’t Remember
* Family Snapshot
* And Through the Wire
* Games without Frontiers
* Not One of Us
* Lead a Normal Life
* Biko
[Die Band]
Peter Gabriel: Voice, Keyboards.
Phil Collins: Drums
Jerry Marotta: Drums, Percussion.
Robert Fripp: Gitarre.
David Rhodes: Gitarre
Paul Weller (The Jam/Style Council): Gitarre.
Dave Gregory (XTC): Gitarre.
Kate Bush: Gesang (auf "Games Without Frontiers").