Mary Gauthier - Dark Enough To See The Stars

...das ist somit ein Album geworden, dass eindeutig aus der Menge der Veröffentlichungen dieses Genres herausragt und ganz hell strahlt.

 
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Mary Gauthier - Dark Enough To See The Stars

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Gepostet: 15.07.2022 - 18:42 Uhr  ·  #1
Mary Gauthier - Dark Enough To See The Stars

Die 1962 in New Orleans geborene Mary Gauthier kann man stilistisch grundsätzlich in die Schublade Country/Folk/Singer/Songwriter stecken. Nach einem bewegten und problembehafteten Leben startete sie ihre musikalische Laufbahn erst im Alter von vierunddreißig Jahren.

Eine erste Langspielplatte erschien 1997 unter dem Titel "Dixie Kitchen", regelmäßig folgten nun weitere Veröffentlichungen, zuletzt 2018 mit dem Album "Rifles & Rosary Beads" . Hier zeichnete sich auch eine stilistische Vielfalt ab, von spartanisch arrangierten Songs bis hin zu verzerrten E-Gitarren, oft voller Druck und Dramatik.

Gemäß der Ausführungen der Pressemitteilung verarbeitet die Protagonistin auf ihrem neuen Album "Dark Enough To See The Stars" den Verlust lieber Freunde, so auch Musiker wie John Prine, Nancy Griffith und David Olney und drückt hiermit ihre Trauer aus. Mit einer ganz rauen Stimme, die mich sofort an Lucinda Williams erinnert, startet sie den zehnteiligen Songreigen mit "Fall Apart World". Damit hat sie mich dann auch sofort gefangen. Denn auch die Benutzung dieser Melodien und Harmonien ist dermaßen zugänglich und anspringend, dass man sofort ein gutes Gefühl im Sonnengeflecht verspürt.

Mit schleppendem Rhythmus, hier, wie beim letzten Album, erinnert mich das ein wenig an Songs von Neil Young, werde ich anschließend nach "Amsterdam" entführt, eine emotional ausgeprägte Stadtrundfahrt. Hierbei kommt zugute, dass alle Texte nachzulesen sind, gut, weil sie eine Einheit mit der Musik bilden, und man bemerkt, wie sie entsprechend einfühlsam umgesetzt wurden. So sollte Singer/Songwriter-Musik auch ausgeprägt sein.

Bei einigen Songs hat Mary wichtige kompositorische Unterstützung von bekannten Künstlern*innen des Genres erhalten, und das wirkt sich ebenfalls positiv aus. So gab es Hilfe von Peter Case, Beth Nielsen Chapman und Darden Smith, alle selbst für tolle Songs bekannt. Letztlich ist es gut gelungen, die Trauer um die Verstorbenen mit einzubringen in den Songreigen, man kann es anhand der Textzeilen gut erkennen, und die Umsetzung des Themas ist sehr emotional ausgeprägt gelungen, ohne, dass man nun gleich in eine Trauerstimmung verfiele.

Ein gutes Beispiel ist das mit Beth Nielsen Chapman komponierte Titelstück, wo man nachlesen kann, dass in all' der Dunkelheit, im dunkelsten Ozean, noch Licht und Zuversicht zu erblicken ist, solange man an der Liebe festhält. Doch mitunter kann man sich doch den Tränen nah wähnen, wenn man den Text zu "How Could You Be Gone" liest und dazu die Musik und den Gesang hört. ("I don't wanna say good-bye, I walk by your photograph I hear your voice I hear your laugh, I'm looking for you in the crowd, looking for you in the clouds") Und dann erklingt auch noch diese emotional gespielte Violine, das drückt doch auf das Gemüt, aber der Song ist ein knallhartes Statement, unverblümt, und voller Authentizität aus dem Leben gegriffen, nicht nur aus Mary's, denn dieses Thema geht uns Alle an!

Verlust, Trauer, Liebe, die Kernthemen eines Albums, dass auf diese ehrliche Weise tief berührt, diese Eindringlichkeit ist nahe gehend. Tiefgehende Texte mit klarer Aussage, eingekleidet in ein Meer von Harmonie und schönen Melodien, das ist somit ein Album geworden, dass eindeutig aus der Menge der Veröffentlichungen dieses Genres herausragt und ganz hell strahlt. Und neben der Nähe zu Lucinda Williams muss ich eine weitere Kollegin erwähnen, die mich auch emotional ähnlich anspricht mit einigen ihrer Produktionen, und das ist Kathleen Edwards.

Letztlich bleibt mir nichts anderes übrig, als dieses Album in eine imaginäre Liste der wohl besten Singer/Songwriter-Veröffentlichungen des noch laufenden Jahres zu packen, und das gewiss im oberen Drittel! Denn das ist Gefühl pur, Gefühl, erzeugt durch tatsächliche Umstände, umgesetzt in Kompositionen und Texte, ausgedrückt in Musik und so zielführend, dass es geneigte Hörer*innen tief in die Magengrube und die Seele treffen kann!

Mary Gauthier (vocals, acoustic guitar)
Michael Rinne (bass)
Allison Moorer (vocals)
Jaimee Harris (guitar, vocals)
Juan Salorzano (electric guitar, baritone guitar, high strung electric guitar)
Danny Mitchell (keys, vocals)
Nelson Hubbard (drums)
Michele Gazich (violin, viola)
Ben Glover (vocals)
Fats Kaplin (pedal steel, viola)

1 Fall Apart World
2 Amsterdam
3 Thank God For You
4 How Could You Be Gone
5 Where Are You Now
6 Dark Enough To See The Stars
7 The Meadow
8 Truckers And Troubadours
9 About Me
10 Till I See You Again

https://www.marygauthier.com

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