Neil Young and Crazy Horse - Barn

Das wievielte Studioalbum ?

 
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Neil Young and Crazy Horse - Barn

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Gepostet: 01.01.2022 - 13:08 Uhr  ·  #1


Ich als ewiger Youngologe bleibt mir nichts anderes übrig gleich im Neuen Jahr vom Neil Young und seinen verrückten Pferde und über sein neues Album „Barn“ zu schreiben.
Und was soll ich dazu sagen ?
Neil Young eben, wunderbar !!!!

Aber ich nehme mal die rosarote Brille ab und höre sie mir ein/zweimal/dreimal neutral an und bei jedem Durchgang find ich das Album immer besser, dies schon mal vorweg. Im Gegensatz zum Vorgänger „Colorado“ merkt man die positive Stimmung und das bessere Zusammenspiel der Musiker an.
Es scheint auch das Neil seine Wut auf die amerikanische Politik abgelegt hat und mit neuen Mut und positiver Gelassenheit ins jetzige Amerika geht.

Diese Grundstimmung mit der akustischen, Akkordeon und Mundharmonika bringt er bei dem gemütlichen Opener „Song of the Seasons“ sehr gut rüber.
Er besinnt sich auf die Einfachheit und seine Wurzeln.
In einer verlassenen Scheune irgendwo in Colorado, im Niemandsland hatte er ein Studio einrichten lassen, das auf dem Coverbild zu sehen ist und dort in aller geselligkeit Songs mit seinen Freunden geschrieben und eingespielt hat.
Auch gerockt wird in alter Crazy Horse Manier. Das Ergebnis reißt einfach mit. „Heading West“ rockt und scheppert in seiner unverweigerlichen Form. Der Gesang natürlich nicht perfekt und das ist auch gut so, Hauptsache der mehrfache Gesang im Refrain passt. Der Spaß kommt rüber.
Der persönlichste Song ist zweifelsohne „Canerian“ eine persönliche Huldigung an Amerika und Canada, daher auch das Wortspiel. Dadurch verarbeitet Young seine Vergangenheit, mit den nicht vergessenen Wurzeln und den übertritt in die amerikansischen Staatsbürgerschaft.
Ich fühl mich in die 1. Seite von „Rust Never Sleep“ Zeit hineinversetzt, so kräftig dreckig verzerrte er seine Gitarre.
Mit „Shape of you“ geht es wieder ins traditionelle mit einem countrylastigen Slang hinein und der übergang zu dem verträumten „They Mighty be lost“ perfekt, so schön und zart hat man ihn schon lange nicht mehr gehört.
Und nun aufgewacht der „Human Race“ rasst los, und wie.
Wow. Was ist in die Band gefahren. Sie legen ein Tempo los, mich wundert das da Ralph Molina an den Drums mitkommt :lol In "Ragged Glory" Manier quietschte es in allen Ecken und Kanten wie rostiges Metal.
Mit dem schönen in Klavierbegleitenden „Tumblin throw the Time“ fährt das Tempo wieder in gemütliche Gewässer über und erinnert hier eher an „Comes a Time“ Album. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Soll „Welcome Back“ eine Botschaft sein ?
Wenn ja, dann nur das die Zeit keine Rolle mehr spielt.
In slowmotion und mit solch ein Feeling reitet er mit seinen Horses in die Ewigkeit. In aller Ruhe und gemütlichkeit, ohne Hast und ohne Ziel.
Hier kann ich „Dangerbird“ vom Zuma Album ins Spiel bringen. Stechende, mit wohl überlegte Noten gespielte elektrisierende Gitarre lässt sich die Band treiben. Bei jedem Anschlag zuckt man zusammen, so klar und kratzend.
Bin total geflasht. Das Young noch so ein Meisterstück gelingt, allen Respekt.
Mit dem angenehmen akustischen „Dont forget Love“ verabschiedet sich die Band aus der Scheune.

Muss zugeben bin total begeistert das Neil Young und Crazy Horse noch so ein rundes und Album rausbringen können.
Es scheint die Band ist dort oben in der Scheune mit sich und der Welt ins Reine gekommen und Frieden gefunden. Der Wechsel zwischen akustischen und elektrisierenden erinnert an die „good ole“ Zeit, auf das sie sich des öfteren zurück erinnerten fühlten.
Auffallend ist auch Young‘s Stimme die sich wieder sehr warm anhört und seine Ausfälle in die oberen Bereiche sind so gut wie weggeblasen. Auch des öfteren kommt der Crazy Horse Chor zum Zuge, das in einigen Songs harmonisch integriert sind und für Aufwertung dienen.
Als Highlight bei der Deluxe Version wurde die Session von seiner Frau Daryl Hannah gefilmt und auf eine BlueRay verewigt.

Auch ohne rosarote Brille empfehle ich euch, die Neil Young früher gehört hatten, hier mal rein zuhören. Ich versprech euch, es kommen Erinnerung hoch!!!

In diesem Sinne kommt gut ins neue Jahr und bleibt gesund

Musiker:
Neil Young: Gitarre , Piano, Harmonica, Gesang
Nils Lofgren: Akkordion, Gitarre, Piano, Gesang
Billy Talbot: Bass, Gesang
Ralph Molina: Schlagzeug, Gesang


01. Song Of The Seasons..............6:04
02. Heading West.....................3:22
03. Change Ain't Never Gonna.........2:53
04. Canerican........................3:12
05. Shape Of You.....................2:55
06. They Might Be Lost...............4:32
07. Human Race.......................4:14
08. Tumblin' Thru The Years..........3:19
09. Welcome Back.....................8:28
10. Don't Forget Love................3:48

Welcome Back - Wunderschön

Heading West

Song of the Season
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Re: Neil Young and Crazy Horse - Barn

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Gepostet: 01.01.2022 - 13:23 Uhr  ·  #2
danke für deine Vorstellung Xanadu.
Bei mir löst Barn nicht die Begeisterung aus.
Vermutlich würde ich im Nachhinein eine andere LP kaufen.
Leider springt bei mir der Funke nicht wirklich über.
Nicht falsch verstehen, es sind alle Ingredienzien für ein Neil Young & Crazy Horse da.
Der einsame heulende Wolf mit Akustikgitarre und der Rocker der bei rohen Gitarrenduellen ausrastet.
Aber die Songs sind wenig inspiriert und ohne Leidenschaft, es gibt nur gute Momente
Human Race ist jedenfalls mein Lieblingssong hier, das dürfte ein Klassiker werden.
Wird wohl schnell hinten in meinem Regal stehen.
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Re: Neil Young and Crazy Horse - Barn

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Gepostet: 01.01.2022 - 16:31 Uhr  ·  #3
ich höre den Neil seit den Buffalo Springfield Zeiten - hab jetzt reingehört - ein nettes Album dass man durchgehend hören kann - Heading West + Canerican werde ich mal downloaden ...

hier ist erfreulich dass Ralph Molina das Schlagzeug "erträglich" macht - bei Ragged Glory konnte man meinen Molina wäre garnicht im Studio gewesen sondern hätte seinen Beitrag vom Band abgespielt - vor allem bei "Over and Over" und "Love and only Love" ;-) - fürchterlich...

höre gerade im "Songs Of The Seasons" - schöne entspannte Musik am Neujahrstag !

PS : er hätte ja auch in der Scheune von Levon Helm Studios bei Woodstock spielen können - da gab es tolle Konzerte - Black Crowes hatten da einen tollen Auftritt vor allem mit Lou Reeds "Oh Sweet Nothin"... ;-)
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Re: Neil Young and Crazy Horse - Barn

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Gepostet: 02.01.2022 - 00:11 Uhr  ·  #4
@Yeti, die Begeisterung trägt daher, das Neil in den letzten Jahren, kein wirklich gutes Album mehr zustande brachte.
Und natürlich ist mir klar das er sich jetzt neu erfinden muss, warum auch. Die Zeiten sind vorbei.
Ich glaube das Barn, über die Jahre bestehen bleibt.
Ich verstehe dich gut Yeti, aber eins muss ich weidersprechen.
Die Leidenschaft und vorallem das Feeling ist seit langem wieder vorhanden.


@leslie: Klar hätte er nehmen können. Aber diese war besonders und lies sie nach seinen Wünschen umbauen.
Ist halt ein alter Sturkopf :-)
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Re: Neil Young and Crazy Horse - Barn

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Gepostet: 02.01.2022 - 12:16 Uhr  ·  #5
So schnell, wie der alte Young neue Scheiben auf den Markt wirft, kommt die Gehaltsmaschinerie kaum noch nach ;-). Oft frage ich mich, ob er an einem Produktivsyndrom leidet oder wo all seine Inspirationen herkommen.

Egal - bei einem neuen Youngschen Album muss immer genauestens hingehört werden unter der Prämisse, ob hier wirklich viel Neues geboten wird. Dies galt auch für Barn, welches einige Tubendurchgänge hinter sich hat. Mein Fazit: Young ist Young, ein unbestreitbar feines Album, leider jedoch mit fehlenden Highlights, die nicht bereits ähnlich auf älteren Alben vertreten sind. So wird mein Album wohl trotz Deiner sehr ausführlichen und schmackhaft machenden Rezension im Plattenladen stehen bleiben.

Zum Schluss natürlich - besten Dank für Deine Zeit und Mühe, die Du in die Rezi gesteckt hast :-)
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Re: Neil Young and Crazy Horse - Barn

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Gepostet: 02.01.2022 - 17:07 Uhr  ·  #6
Wo Neil Young draufsteht, ist letztlich auch Neil Young enthalten. Der Hörer weiß somit in der Regel, was ihn erwartet. Bei der Vielzahl seiner Soloeinspielungen, immerhin ist dieses die 41., tritt natürlich ein Wiederholungseffekt ein, was sicherlich auch auf dieser Platte der Fall ist.

Was mir an Neil Young sehr gut gefällt, dass er seinem musikalischen Stil treu bleibt und die Musikstücke mit persönlichen und zum Teil auch mit politischen Texten versieht. Er ist eine Person, die noch immer etwas zu sagen bzw. zu präsentieren hat.

Und an eine derartige Großtat wie z. B. "Psychedelic Pill" reicht "Barn" aus meiner Sicht nicht heran, aber es ist durchaus ein hörenswertes Album geworden. Somit auch danke von mir für das Vorstellen.
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Re: Neil Young and Crazy Horse - Barn

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Gepostet: 02.01.2022 - 18:32 Uhr  ·  #7
Nun, ich bin kein eingeschworener Fan von ihm. Die frühen Sachen von ihm mag ich sehr. "After The Goldrush" und "Harvest" sowie eine "Best Of" stehen hier. Werde mir mal die Clips zu Gemüte führen....

Achim, danke für die schöne Vorstellung und den Tip ! :-D
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Re: Neil Young and Crazy Horse - Barn

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Gepostet: 03.01.2022 - 11:02 Uhr  ·  #8
Danke Achim für die schöne Rezi. Neil Young kann man sich schon immer anhören, muss mir die Barn aber wohl eher nicht anschaffen, was ich so gehört habe. Hier stehen die Rust Never Sleeps, Live Rust, Weld, Psychedelic Pill und Year Of The Horse. Das reicht mir.
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Re: Neil Young and Crazy Horse - Barn

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Gepostet: 06.01.2022 - 11:45 Uhr  ·  #9
Zitat geschrieben von xanadu

@Yeti, die Begeisterung trägt daher, das Neil in den letzten Jahren, kein wirklich gutes Album mehr zustande brachte.
Und natürlich ist mir klar das er sich jetzt neu erfinden muss, warum auch. Die Zeiten sind vorbei.
Ich glaube das Barn, über die Jahre bestehen bleibt.
Ich verstehe dich gut Yeti, aber eins muss ich weidersprechen.
Die Leidenschaft und vorallem das Feeling ist seit langem wieder vorhanden.



Ich mag die Colorado lieber und davor ist die Psychedelic Pill inzwischen ein Klassiker.
Ich sehe das mehr aus der Perspektive, dass Barn ein Neil Young and Crazy Horse Album sein soll.
Über weite Strecken ist es aber eher ein NY Solo Album.
Egal, eine Songs haben schon einiges zu bieten aber als Neil Young and Crazy Horse Album ist es für mich das schwächste.
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Re: Neil Young and Crazy Horse - Barn

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Gepostet: 06.01.2022 - 18:26 Uhr  ·  #10
Leider fehlt mir die Begeisterung nach dem anhören, um mich sehr positiv über diese Veröffentlichung von NEIL YOUNG & CRAZY HORSE zu äußern. Scheinbar ist die Luft raus. Die Kompositionen und die Spielfreude sind so lala, zu mehr reicht es nicht, schade eigentlich!
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