Jackson Browne - Downhill From Everywhere

...diese leichte Melancholie, diese wunderschönen Harmonien, diese abgerundete Schönheit der Melodien...

 
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Jackson Browne - Downhill From Everywhere

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Gepostet: 05.08.2021 - 17:53 Uhr  ·  #1
Jackson Browne - Downhill From Everywhere

Ach, wie schnell doch die Zeit vergeht. 1972 war es, dass der 1948 in Heidelberg geborene Jackson Browne sein Debüt-Album veröffentlichte. Mit "Jamaica Say You Will" und "Doctor, My Eyes" enthielt es bereits zwei sehr hervorragende Songs, von denen noch viele nachfolgen sollten. Nicht alle Alben auf dem weiten Weg zu "Downhill From Everywhere" waren überzeugend, ein oder zwei Ausnahmen mag es gegeben haben, doch mit den letzten Platten konnte mehr durchaus wieder zufrieden sein.

Und auch die neue Veröffentlichung ist sehr gut gelungen. Zunächst ist es Musik, die irgendwie "typisch Browne" ist, allein die Stimme ist es, die das besondere Etwas ausstrahlt. Dann natürlich diese ganz eigenwillige Stimmung, von der letztlich alle Musik des Protagonisten bestimmt ist, diese leichte Melancholie, diese wunderschönen Harmonien, diese abgerundete Schönheit der Melodien. Ein wesentlicher Bestandteil der Musik war eigentlich immer David Lindley, der fast alle frühen Produktionen mit seinem Spiel veredelte, später leider nur noch sporadisch, und kurz noch mit Browne zusammen auf der gemeinsamen tollen Platte "En Vivo Con Tino".

Nun, ich vermisse Lindley einerseits auf "Downhill From Everywhere", doch andererseits ist mit dem Gitarristen Greg Leisz ein sehr fähiger Sessionmusiker an Bord, der die gemeinsame Stimmung zwischen Browne und Lindley bei vielen Songs wieder aufleben lässt, wenn er mit der Lap Steel oder der Pedal Steel auftritt.

Inhaltlich/thematisch soll es bei dem Album um das Leben in Los Angeles gehen. So bemerkte Browne: "Aber es ist wirklich eine Metapher für das Leben selbst. Ich verehre diese Stadt, aber ich habe versucht, sie zu verlassen, ungefähr seit der Zeit, als ich mein erstes Album fertiggestellt habe. Man kann ein Leben, wie man es kennt, lieben und schätzen und sich darauf verlassen, aber tief im Inneren sehnt man sich vielleicht auch nach etwas anderem, selbst wenn man nicht weiß, was es ist."

Die Texte der zehn Songs sind im Booklet abgedruckt und laden ein zum Mitsingen oder dazu, die Songs in ihrer Gesamtheit besser zu geniessen. So beschäftigt sich der Künstler unter anderem mit den Themen Umweltverschmutzung, gleichgeschlechtliche Liebe, illegale Einwanderer, Würde, Zweifel, Respekt von Anderen und mit Allem, was uns Alle täglich umgibt.

Vorab vor Erscheinen dieser Platte gab es zwei Singleveröffentlichungen, den Titelsong und "My Cleveland Heart". Während er erste ein im Tempo leicht angezogener Rocker ist, spiegelt "My Cleveland Heart" am besten den typischen Browne wider, wie man ihn von Beginn an kennen und ggf. lieben gelernt hat. Apropos Lieben, "Minutes To Downtown" ist eines der für mich schönsten Songs der Platte, ein Lied über die Liebe.

Gesamtheitlich betrachtet, orientiert sich der Sound der Platte stark an den Siebzigern, und wird durchzogen von einer guten Rock-Ausrichtung, zwar meist als Soft Rock, aber auch ein oder zweimal etwas druckvoller, zum Beispiel bei "Until Justice Is Back". Bei vielen Songs fällt auf, dass die Stimmung entscheidend mitbestimmt wird durch die beiden Background-Sängerinnen Alethea Mills und Chavonne Stewart, ja, diese Zutaten fügen sich perfekt ein in dem Gesamtsound. Und immer wieder ist es Greg Leisz, den ich für einen großen Zugewinn halte.

Verabschiedet aus dieser Platte mit der sehr angenehmen Musik werden wir mit "A Song For Barcelona", eine locker dahintreibende Widmung mit laszivem mediterranen Flair, dezent hintergründigem Flamenco-Anstrich inklusive, und nach einer ganz kurzen Song-Unterbrechung bei etwa Minute sieben wird noch Spanisch gesungen, so wie auch auf "The Dreamer" übrigens. Jedenfalls ist dieses ein sehr sympathischer Ausklang...

Jackson Browne (vocals, piano, electric guitar, vihuela, nylon string guitar)
Mauricio Lewak (drums)
Greg Leisz (electric guitar, lap steel, pedal steel)
Val McCallum (electric, acoustic guitars, tenor guitars, vocals)
Pete Thomas (drums)
Davey Faragher (bass)
Jeff Young (vocal, Hammond organ, piano)
Russ Kunkel (drums)
Bob Glaub (bass)
Mark Goldenberg (electric guitar)
Jason Crosby (piano)
Chavonne Stewart (vocal)
Alethea Mills (vocal)
Jay Bellerose (drums)
Jennifer Condos (bass)
Patrick Warren(keyboards)
Leslie Mendelson (vocal)
Waddy Wachtel (electric guitar)
Raúl Rodriguez (palmas)
DeAnte Duckett (vocal)

1 Still Looking For Something
2 My Cleveland Heart
3 Minutes To Downtown
4 A Human Touch
5 Love Is Love
6 Downhill From Everywhere
7 The Dreamer
8 Until Justice Is Real
9 A Little Soon To Say
10 A Song For Barcelona

https://www.jacksonbrowne.com/

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Re: Jackson Browne - Downhill From Everywhere

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Gepostet: 06.08.2021 - 07:20 Uhr  ·  #2
Oh, danke, der ist immer noch aktiv, Hammer!
Hier steht bislang nur „Running on empty“, da gilt es wohl noch was aufzuholen…
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Re: Jackson Browne - Downhill From Everywhere

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Gepostet: 06.08.2021 - 09:58 Uhr  ·  #3
Es ist schön, dass es Musiker gibt, die trotz ihres hohen Alters aussagekräftige Alben herausbringen. Ich denke hierbei u. a. auch an David Crosby.

Schön auch, dass sich der Musiker Browne treu bleibt und sich nicht durch andere Musikstile verdrehen lässt. Die ersten beiden Hörproben von "Still Looking For Something" und "My Cleveland Heart" überzeugen sofort, so dass ich mich mal durch das gesamte Album durcharbeiten werde. Er hat auch immer noch eine Stimme, die einfach berührt.

Durch deine überzeugende Rezi wird wahrscheinlich wieder ein Kaufimpuls ausgelöst ......
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Re: Jackson Browne - Downhill From Everywhere

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Gepostet: 13.08.2021 - 23:17 Uhr  ·  #4
Ein Musiker, der trotz seines Alters ein überzeugendes und zugleich kreatives Album herausgebracht hat. Und wenn man sich durch das Album durchhört, dürfte jeder seine persönlichen Andockstellen finden. In den Jahren voranschreiten hat doch etwas .... :-)

Und wie gewohnt eine tolle Rezi von dir!!!
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