Harvey Mandel - Snake Attack

...polarisierend, so mag man die Musik beurteilen, für mich ist es interessant, letztlich ein persönliches Statement eines höchst innovativen Musikers, der leider viel zu unbeachtet blieb.

 
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Harvey Mandel - Snake Attack

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Gepostet: 24.03.2020 - 19:16 Uhr  ·  #1
Harvey Mandel - Snake Attack

Ja, Harvey Mandel, der war für mich schon immer etwas Besonderes! Der 1945 in Michigan geborene und in Chicago aufgewachsene Gitarrist lief mir hörbar zuerst über den Weg, als ich ein Album von Charles Musselwhite hörte. Das war dessen Platte “Stand Back“, und Mandel klang bereits damals ein wenig anders als wesentlich bekanntere Kollegen. Es war wohl sein Sustain, seine Art, die Saiten zu ziehen und die Art seiner Soli, die mir auffielen, jedoch wesentlich ausgeprägter in der Folgezeit, als der Mann 1968 sein Debüt-Album “Christo Redentor“ veröffentlichte. Besonders war auch seine Stellung als einer der ersten, die das beidhändige Fretboard-Tapping nutzten, um besondere Effekte zu erzeugen, lange vor Eddie Van Halen.

Doch das sollte nicht das einzige Bemerkenswerte sein, denn neben zahlreichen weiteren Solo-Alben war es vor allem die Beteiligung des Gitarristen bei Canned Heat in den Jahren 1969 und 1970. Doch kurz danach war John Mayall die nächste Station. Zusammen mit dem Violinisten Don “Sugarcane“ Harris arbeitete er als “Pure Food And Drug Act“ zusammen. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Gitarristen zuteil, als er am Album der Rolling Stones, “Black And Blue“, mitwirkte. Damals probierte die Band verschiedene Gitarristen als Ersatz für Mick Taylor aus. Doch letztlich entschied man sich dann für Ronnie Wood. Wer weiß, wieviel mehr innovativ die Geschichte der Stones weiter gegangen wäre, hätte man sich für Mandel entschieden…

Die mir vorliegende CD, "Snake Attack", erschien eigentlich bereits im Jahre 2017. Der Musiker hat alle zehn Songs in seinem Heimstudio allein eingespielt. Und hier offenbart er recht unterschiedliche Stile von Musik, jedoch stets mit seinem eigenen Ausdruck ausgestattet. Diese Vielfalt einerseits und der Verzicht auf Begleitmusiker andererseits hat jedoch auch Raum für Kritik offen gehalten. Denn nicht alles ist meines Erachtens gelungen und fällt mitunter ab im Vergleich zu dem, was früher einst entstanden war.

Nur instrumental eingespielt, rangiert die Bandbreite der Songs von künstlich mit Overdubs überladenen Songs wie der Titelsong hin zu dem Latin-beeinflussten Titel “Packin‘“ mit reichlich Perkussion und einem Streicherarrangement, und dem typischen Tapping auf dem Griffbrett, dieses Stück erinnert mich stark an alte Aufnahmen des Protagonisten. "Freak Of Dawn" im Fusiongewand mit knarzig knurrendem Gitarrensound, ein sehr romantisches und nach Unterhaltungsmusik klingendes “A Luscious Life“, “Sinister“, das an Jeff Beck erinnert oder das fließende und stark elektronisch trockene “Criminal Intent“, das man auch als Soundtrack für “Miami Vice“ hätte verwenden können, das sind weitere Stationen dieser CD, die letztlich stark geprägt ist von der Persönlichkeit des Künstlers und seiner Absicht, dieses genauso aufzunehmen.

Mit “Super Squid“ funkt und groovet es noch einmal kräftig, und eines meiner liebsten, gerade weil es für mich nahtlos an seine großartigen Platten der Siebziger anschließt, Stücke, ist “Exotic Predator“, auch hier mit Cello-Klängen untermalt. Pro und Contra, Für und Wider, polarisierend, so mag man die Musik beurteilen, für mich ist es interessant, letztlich ein persönliches Statement eines höchst innovativen Musikers, der leider viel zu unbeachtet blieb.

Harvey Mandel (all instruments)

1 Snake Attack (3:16)
2 Packin' (3:04)
3 Freak Of Dawn (3:02)
4 A Luscious Life (3:24)
5 Sinister (3:34)
6 Criminal Intent (3:14)
7 Super Squid (2:59)
8 Exotic Predator (3:33)
9 Body Beast (3:02)
10 Keeping The Faith (4:28)


https://harveymandel.com/

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