Yuri Honing Acoustic Quartet - Bluebeard

Denn diese Klänge sollte man losgelöst vom reinen Genre Jazz erleben und sich einfach tragen lassen von dieser Atmosphäre.

 
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Yuri Honing Acoustic Quartet - Bluebeard

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Gepostet: 13.03.2020 - 19:37 Uhr  ·  #1
Yuri Honing Acoustic Quartet - Bluebeard

Zwei Jahre ist es her, dass das Yuri Honing Acoustic Quartet das Album “Goldbrun“ veröffentlichte. Mit der Musik jener Platte hatte mich der niederländische Saxofonist auf eine Gedankenreise durch verträumte Welten geschickt und mein Kopfkino auf kreative Weise aktiviert. Die äußerst sphärische Stimmung der Musik wiederholt sich auf "Bluebeard", vielmehr scheint sie sich noch zu vertiefen. Ich wiederhole an dieser Stelle eine sicher wichtige Aussage des Protagonisten: 'Ich komponiere von einem Kern und arbeite von dort bis zu den Rändern, ebenso wie harmonische Strukturen, die in der Mitte beginnen und sich ausbreiten.'

In diese Mitte fühle ich mich auch von Beginn an platziert und habe das Gefühl, sie auch gar nicht so sehr weit zu verlassen. Denn diese Stimmung fesselt, lässt mich fasziniert verharren und bereitet mir dabei ein Gefühl von Wohligkeit, von eigener Mitte. Der Titel des Albums bezieht sich wohl auf die Hauptfigur eines französischen Märchens, um Blaubart (La barbe bleue). Allerdings kann ich einen musikalischen Bezug zum mordenden Ritter Blaubart wenig herstellen, dazu ist die Musik einfach zu liebevoll gestaltet. Blut fließt hier nicht, allenfalls vielleicht Tränen, deren Ursprünge von Traurigkeit am ehestens wiederzuerkennen sind in den Stimmungen einiger Songs, oder besser, eigentlich aller Songs.

Auch wie bei “Goldbrun” verstehe ich die Musik als auf "Bluebeard" als ein Ganzes, als absolute eindringliche Einheit. Schließlich ist es ein reines Balladen-Album, die Nuancen liegen in den Feinheiten, im Gebrauch von Harmonium und Vibrafon zum Beispiel. Honing haucht mit seinem Saxofon, aber nicht im Stile Ben Websters, sondern dann schon eher wie Garbarek und anderer nordische Kollegen, in der Stimmung weit weg tragend, gedankenverloren wirkend, tranceartig und schwebend. Ja, Schweben, das ist ein Zustand, der mich erreicht beim Anhören dieser Musik, Einigen mag das als Langeweile erscheinen, was die Band bietet, ich erlebe Kurzweil, Schönheit und Erhabenheit, und wenn sich Honing zum Beispiel beim letzten Song der Platte löst und freier wird, dann brechen emotionale Dämme, nur schade, dass genau hier ausgeblendet wird…

So ist es aus meiner Sicht auch mutig, ein solches Album vorzulegen, und ich hoffe, dass es viele Liebhaber gewinnen wird, auch aus dem großen Meer der Nicht-Jazz-Liebhaber. Denn diese Klänge sollte man losgelöst vom reinen Genre Jazz erleben und sich einfach tragen lassen von dieser Atmosphäre.

Yuri Honing (saxophone, voice)
Wolfert Brederode (piano, harmonium, vibraphone)
Gulli Gudmundsson (bass)
Joost Lijbaart (drums)

1 Bluebeard Maze
2 A Room with a View
3 Narcissus
4 The Art of Losing Isn't Hard to Master
5 She Walked in Beauty, Like the Night
6 Bits of Paradise
7 Sonnet No. 6 Bluebeard
8 Do Not Go Gentle into That Good Night



http://www.yurihoning.com/
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