The Cheat - same

Rares aus der Musiktruhe

 
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The Cheat - same

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Gepostet: 11.11.2011 - 12:26 Uhr  ·  #1
The Cheat - same

Ja, und schon wieder liegt hier eine Platte einer Band, die sicher bei vielen Hörern/innen in Vergessenheit geraten ist, bzw. denke ich, werden viele unter uns diese Burschen gar nicht kennen.
Nun ja, Ende der Sechziger, das war ja auch eine Zeit des Aufbruchs, immer mehr Musiker versuchten sich zu etablieren und solche Acts wie die jüngst von mir genannten “Indian Summer“ oder “Edison Lighthouse“ oder “Eden’s Children“ beispielsweise, die gingen in der Masse ganz einfach unter. So war das eben auch bei The Cheat.

Entstanden aus einer Schülerband in Henley-On-Thames, sie nannten sich “Swans-On-Thames“, kam den Jungs die Nähe zu London zupass und so ’tourten’ sie regelmäßig in die Metropole, um dort in Clubs als Vorbands solcher Stars wie der Pretty Things und anderen um die Gunst des Publikums zu buhlen.
Letztlich bot ihnen der seinerzeit bekannte Talentsucher Brian Rhys die Chance, beim PYE-Label einen Vertrag zu ergattern. Leider reichte es nur für eine heute in Sammlerkreisen heiß gesuchte Single, “This Is Not True“ b/w “Don’t Believe A Thing“.
Aber bei dem kleinen Piccadilly-Label versuchte man, für sich und die Band für spätere Zeiten ein mögliches Denkmal zu setzen. Die Geschichte lehrte uns Gegenteiliges, war doch das Label bald pleite und die Band untergegangen. In “Good Old Dschmermänie“ soll die Scheibe kurz bei Hansa erschienen und schnell wieder vom Markt genommen worden sein, wer diese Ausgabe hat, kann sich also freuen.

Doch nun zur Platte.

Der geneigte Hörer trifft auf Musik, von der man manchmal glauben mag, sie sei nicht von dieser Welt. Gerade bei solchen Titeln wie “We Don’t Exist“ oder “Is It Real?“ mag man das dann auch glauben. Denn ist es wirklich wahr, was man hier vernimmt?
Schwaden schwirrender Mellotronklänge entführen uns in eine Welt der Düsternis, in einen verwunschenen Wald, der im Nebel der Klänge selbst zu ersticken droht.
Gar außerirdisch muten die dazu eingespielten Gitarrenfetzen an, die kaskadengleich eingestreut wurden. Aber bereits hier bemerkt man, dass die Band ihre Musik auch nicht zu ernst nimmt. Man kann ihnen schon ab und an den ’Kasper’ anmerken, den sie gefuttert zu haben scheinen. Nun denn, Cheatham, der Frontmann, war damals ja auch gerade mal 19 Jahre alt und zu jener Zeit war man hierzulande ja auch noch nicht volljährig und hatte so manchen noch jugendlichen Witz auf Lager. Andererseits bestimmt dieses auch die Frische dieser Musik, und gelegentliche Unzulänglichkeiten werden durch die bewährten Hände des Produzenten Carl Dillman brillant aufgefangen.
Und gerade hier zeigt sich, wie wichtig ein Produzent, der dann letztlich auch die Fäden in der Hand hält, sein kann.

So vermag er es, zusammen mit dem Keyboarder der Band, ein dichtes Soundgeflecht zu arrangieren, auf dem sich die Akteure, hier sind es vornehmlich der Gitarrist und der Saxofonist (leider nur auf einem Titel, ansonsten setzt Mulligan seine Flöte jedoch immer wieder integrierend ein), austoben können. Bei “Wolf Is In The Web“ wird durch das nur hier eingesetzte Bläserarrangement vielleicht auch schon angedeutet, wohin die Richtung dieser Gruppe steuern sollte, ganz klar waren Ansätze von Jazz Rock auszumachen.

Doch leider sollte es dazu nicht mehr kommen, denn Schicksalsschläge waren es, die dazu führten, das sich die Wege der Bandmitglieder dann doch zerstreuten. Gar tragisch in diesem Zusammenhang, dass Webster bei einem Badeunfall in der Elbe, als er sich anlässlich einer Europatournee mit einem bewegenden Konzert in Hamburg nach dem Auftritt erfrischen wollte, wahrscheinlich nach zu heftigem Cannabisgenuss, und hierbei ertrank.
So war, bedingt durch diesen wichtigen Eckpfeiler der ehemaligen Band, eine Reunion leider ausgeschlossen.
Was uns bleibt, ist diese außergewöhnliche Musik, die wohl nur das Pech hatte, zur falschen Zeit veröffentlicht zu werden. Einige Jahre später, und man hätte wohl eher aufgehorcht.
So bleibt die Legende von The Cheat und uns die Freude über diese gelungene Wiederveröffentlichung im Digipack, mit allen Texten und neuen Linernotes von Derek Wandsworth. Leider sind keine Bonustracks enthalten, es scheinen wohl keine unveröffentlichten Titel zu existieren. Schade, zumindest die oben genannte Single wäre als Ergänzung ideal gewesen.

Lineup:

John Cheatham (vocals)
Michael F. Webster (guitar, vocals)
Patrick Moon (keyboards, vocals)
Dave “The Sax” Mulligan (saxophones -#5, flutes)
Colin Hetchings (bass)
Keith Cooper (drums, percussion)

Titel:

01:Nobody Ever Heard This Before (5:59)
02:We Don’t Exist (9:28)
03:Some May Think We’re Kidding, Aren’t We?(3:22)
04:Is It Real? (8:37)
05:Wolf Is In The Web (12:39)

Wolfgang
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hmc
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 11.11.2011 - 12:48 Uhr  ·  #2
Ha, wieder eine Band deren Identität mir verborgen war.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob das etwas für mich ist.
Werde mal nach Soundschnipsel suchen,
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 13.06.2017 - 12:46 Uhr  ·  #3
Zitat geschrieben von hmc

Ha, wieder eine Band deren Identität mir verborgen war.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob das etwas für mich ist.
Werde mal nach Soundschnipsel suchen,


...und, schon etwas gefunden?

Sollte ich vielleicht mal als Rätsel einstellen... :D
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 20.06.2017 - 18:28 Uhr  ·  #4
danke für die Vorstellung, leider gibt es keine Hörbeispiele auf You tube.
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 25.03.2021 - 19:49 Uhr  ·  #5
Zitat geschrieben von sunny

danke für die Vorstellung, leider gibt es keine Hörbeispiele auf You tube.


ja, ich suche auch noch immer vergebens. Vielleicht gibt es unter den zahlreichen Neuankömmlingen im Forum, nach gut 10 Jahren, einige Kundige darunter....
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 29.03.2021 - 13:14 Uhr  ·  #6
Ich hab mit Interesse deine Rezension gelesen und dann verzweifelt nach weiteren Infos oder gar Hörproben gesucht. Vergebens... zu keinem der genannten Namen finde ich etwas Passendes.

Hab sogar schon geguckt, ob du die Rezi nicht etwa am 01. April verfasst hast... immerhin war es der 11.11.2011. 8)
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 29.03.2021 - 16:01 Uhr  ·  #7
Vielleicht war es doch ein verspäteter Aprilscherz, der erst im November umgesetzt wurde. Tatsache ist, dass es faktisch im Internet nichts über die Band, über die beteiligten Musiker oder die angeführte Single "This is Not True" gibt, zumindestens habe ich nicht finden können. Trotzdem hat es wieder Spaß gemacht, deiner äußerst lesenswerten Rezi zu folgen.

firebyrd verfügst womöglich über einen der wenigen Tonträger der Band "Cheat"?
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 29.03.2021 - 22:43 Uhr  ·  #8
Fake-Bands? Fake-Rezensionen? Alles Cheat?

Ich kenne nur Oliver Cheatham. Get down Saturday Night, ein Dancefloor-Killer...
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 30.03.2021 - 07:38 Uhr  ·  #9
Zitat geschrieben von firebyrd


ja, ich suche auch noch immer vergebens. Vielleicht gibt es unter den zahlreichen Neuankömmlingen im Forum, nach gut 10 Jahren, einige Kundige darunter....

da hast du die Leute hier ganz schön auf den Arm genommen - Cheat heißt ja Betrüger oder Schummler - weiß garnicht ob ich 2011 schon an Bord war....

das wird deine Schülerband gewesen sein ;-)
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 30.03.2021 - 07:55 Uhr  ·  #10
Zitat geschrieben von Leslie

Zitat geschrieben von firebyrd


ja, ich suche auch noch immer vergebens. Vielleicht gibt es unter den zahlreichen Neuankömmlingen im Forum, nach gut 10 Jahren, einige Kundige darunter....

da hast du die Leute hier ganz schön auf den Arm genommen - Cheat heißt ja Betrüger oder Schummler - weiß garnicht ob ich 2011 schon an Bord war....

das wird deine Schülerband gewesen sein ;-)


...das traute Frau C. sich nicht zu schreiben 8)
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 30.03.2021 - 08:20 Uhr  ·  #11
...11.11.11...Helau hoch 3... mal sehen was Firebird übermorgen vom Stapel lässt...
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 30.03.2021 - 08:36 Uhr  ·  #12
Allein schon die Titelauswahl hätte uns 2011 stutzig machen können: :happy:

01:Das hat noch nie jemand gehört
02:Wir existieren nicht
03:Manche denken vielleicht, wir machen Witze, oder?
04:Ist es real?
05:Wolf ist im Web
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 30.03.2021 - 09:28 Uhr  ·  #13
Blitzbirne und Spürnase Frau C. sollte im Rätselthread mitwirbeln :-P
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 30.03.2021 - 14:47 Uhr  ·  #14
Meine Güte, das hat gedauert, hi hi hi.... :happy:

Ich erinnere mich nicht mehr so recht, aber irgendetwas war damals los im Forum. Das veranlasste mich, diese (offensichtlich überzeugende) Rezension zu einer nie existierenden Platte einer nie existierenden Band zu verfassen...

Und - da sich damals eh' fast niemand für meine Rezensionen interessierte, ging das Teil erwartungsgemäß unter....., der Plan war aufgegangen.....

Vielleicht sollten wir jetzt eine Forenband dieses Namens gründen. Wer kann mitmachen? :devil:
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 30.03.2021 - 15:14 Uhr  ·  #15
Zitat geschrieben von firebyrd

Meine Güte, das hat gedauert, hi hi hi.... :happy:

Ich erinnere mich nicht mehr so recht, aber irgendetwas war damals los im Forum. Das veranlasste mich, diese (offensichtlich überzeugende) Rezension zu einer nie existierenden Platte einer nie existierenden Band zu verfassen...

Und - da sich damals eh' fast niemand für meine Rezensionen interessierte, ging das Teil erwartungsgemäß unter....., der Plan war aufgegangen.....

Vielleicht sollten wir jetzt eine Forenband dieses Namens gründen. Wer kann mitmachen? :devil:


...vielleicht ---> dieser Brezel-Beitrag?
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Re: The Cheat - same

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Gepostet: 30.03.2021 - 19:17 Uhr  ·  #16
Mir ist das Ding damals durchgerutscht, aber diesmal fiel es auf und der Fall war klar. Zumal firebyrd denn auch noch Keith Moon, Gerry Mulligan, Oliver Cheatham, Shabaka Hutchings (vertippen darf man sich ja mal), Ben Webster und Jim Cooper zu einer tollen Band vereint hat!
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