Delta Blues Band - s/t

Kein Blues Aus Dem Dänischen Delta

 
DJ
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Delta Blues Band - s/t

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Gepostet: 22.12.2020 - 14:51 Uhr  ·  #1
Delta Blues Band - s/t (Parlophone 1969)

Nach dem stetigen Dänen-erwähnen mit anderen Bands, von Burnin' Red Ivanhoe bis Young Flowers,
wird es Zeit, auch die Delta Blues Band in-die-erste Reihe-einzureihen.



Dieses Kopenhagener Quintett legte 1969 ein Debut vor, dem erst 8 Jahre später ein (musikalisch
ganz anderes) Zweitwerk folgen sollte.
Dabei ist der Bandname keinesfalls Programm; vom (Louisiana) Delta Blues ist man sehr weit
entfernt.
Und wo nun ein dänisches Delta zu finden wäre?... würde mich schon interessieren.

Dag Erik Asbjornson beschreibt sie (in 'Scented Gardens Of The Mind') als 'progressive
blues-rock' mit musikalischer Verwandtschaft zu den (Dänenkollegen) Beefeaters und verweist
auf ganz hervorragende Gitarrenarbeit.

So kann man es in etwa stehen lassen, denn auf 11 Eigenkompositionen(!) hören wir kaum Geklautes
aus dem schwarzen Bereich (Ausnahme: 'Where The Water Tastes Like Wine') , sondern eher Inspirationen;
und eine um Flöte und Saxophon erweiterten Besetzung (beide Instrumente sind nicht omnipräsent)
liegt musikalisch näher an den britischen Vorbildern jener Tage; sagen wir mal 'Climax Blues Band'

Die schon von Dag gelobte Gitarre (von Troel Jensen; auch Orgel und Gesang) ragt in der Tat heraus;
mal an Pete Haycock (Climax) erinnernd; 'Clouds Covering The Sun', 'We've Got Hard Times' (das Zweite ist
ein flotter Boogie),
mal progressive-verfuzzt im Zeitlupen-Hard-Blues ('Shit On My Shoes'),
mal als Slide-Gitarre auf Elmore James-Art ('Lock Me Up In Jail).

'You Don't Know My Mind' läßt sich vom Southern Soul inspirieren; hier kommen auch Bläser zum Einsatz.

Banjo statt Gitarre hört man im Bluesgrass-Skifle 'Where The Water Tastes Like Wine'; eigentlich etwas
genre-fremd und ausnahmsweise irgendwoher abgeschrieben, aber doch ein gelungenes In-Stimmung spielen
für den letzten und mit 9:17 Minuten längsten Instrumentaltrack 'Opus'.

Auch hier steht die Gitarre zunächst hinter der Orgel zurück, die einen klassisch angehauchten Aufgalopp
im Stil von vielleicht Beggars Opera liefert, bevor Gitarre und Flöte ans improvisieren gehen. Mit Blues hat
dieses Stück nicht viel zu tun.
Trotzdem ein gelungener Abschluß einer variablen und sehr versiert dargebotenen Scheibe, die nicht
zu unrecht unter den Dänenklassikern mitaufgezählt wird.
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Re: Delta Blues Band - s/t

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Gepostet: 16.01.2021 - 17:33 Uhr  ·  #2
Das einwohnerschwache Dänemark spülte Ende der 60er Jahre eine Vielzahl Bands an die Tagesoberfläche, die die unterschiedlichsten Stilarten wie Rock, Jazzrock, Prog, Blues oder Folk abdeckten. Auch wenn ich etliche dieser Gruppen erst später kennenlernte, so kann man ihnen doch eine große Eigenständigkeit assistieren, so dass die Musik aus England oder den USA nur Orientierungshilfen waren. Völlig anders sah es im benachbarten Deutschland aus, wo der Krautrock in seinen vielen Facetten die Musik des damaligen Zeitgeistes war und von den großen Vorbildern aus England und den USA abgekupfert wurde, wo man nur konnte.

Die Delta Blues Band, die zuvor die Anhängsel „Cross“ oder auch „Boogie“ in ihrem Bandnamen mitführten, waren in meinen Augen eine Bluesband, die auch Elemente des Rocks, Prog, Soul und Bluesgrass integrierten. Und gerade durch diese Stilvielfalt präsentierten sie keinen traditionellen Blues, sondern eine Mischform, die zwar im Blues verwurzelt war, aber durchaus ihre eigene erkennbare Handschrift hatte.

Warum sie sich den Namen Delta Blues Band gaben, kann nur vermutet werden. Vielleicht ist die Lage Kopenhagens gemeint, die auf den beiden küstennahen Inseln Amager und Seeland liegt. Und die dazugehörigen Meereszuflüsse könnten für das kleine Dänemark als kleines Delta betrachtet worden sein.

Für mich ist das Album ein gern gehörter Baustein meiner Dänemark Sammlung. Insofern badger, erneut Danke für deine Rezi.
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Re: Delta Blues Band - s/t

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Gepostet: 17.01.2021 - 15:27 Uhr  ·  #3
Zitat geschrieben von kraut-brain

Das einwohnerschwache Dänemark spülte Ende der 60er Jahre eine Vielzahl Bands an die Tagesoberfläche, die die unterschiedlichsten Stilarten wie Rock, Jazzrock, Prog, Blues oder Folk abdeckten. Auch wenn ich etliche dieser Gruppen erst später kennenlernte, so kann man ihnen doch eine große Eigenständigkeit assistieren, so dass die Musik aus England oder den USA nur Orientierungshilfen waren. Völlig anders sah es im benachbarten Deutschland aus, wo der Krautrock in seinen vielen Facetten die Musik des damaligen Zeitgeistes war und von den großen Vorbildern aus England und den USA abgekupfert wurde, wo man nur konnte.

Die Delta Blues Band, die zuvor die Anhängsel „Cross“ oder auch „Boogie“ in ihrem Bandnamen mitführten, waren in meinen Augen eine Bluesband, die auch Elemente des Rocks, Prog, Soul und Bluesgrass integrierten. Und gerade durch diese Stilvielfalt präsentierten sie keinen traditionellen Blues, sondern eine Mischform, die zwar im Blues verwurzelt war, aber durchaus ihre eigene erkennbare Handschrift hatte.

Warum sie sich den Namen Delta Blues Band gaben, kann nur vermutet werden. Vielleicht ist die Lage Kopenhagens gemeint, die auf den beiden küstennahen Inseln Amager und Seeland liegt. Und die dazugehörigen Meereszuflüsse könnten für das kleine Dänemark als kleines Delta betrachtet worden sein.

Für mich ist das Album ein gern gehörter Baustein meiner Dänemark Sammlung. Insofern badger, erneut Danke für deine Rezi.


nun, weitere formen der band mit 'Cross' und 'Boogie' habe ich nie gehört, auch nicht das zweitwerk 1977 nur unter dem
namen 'Delta'. stattdessen höre ich mir die o.a. cd gerne immer mal wieder an, denn es ist ein weiteres teil aus der gar nicht
so kleinen dänischen szene.
ich denke, die Dänen waren einfach im kopf viel näher an UK dran, als die teutonen; meist lockerer und ungezwungener.
und sie hatten auch noch Christiania, wo sie sich ganz legal einrauchen konnten und vielleicht nebenbei Burnin' Red
Ivanhoe, Day Of Phoenix oder, s.o. Delta Blues Band auf sich wirken ließen.

den satz über krautrock würde ich aber etwas anders formulieren, denn es hat doch sehr, sehr viele bands gegeben,
die sich locker mit den Dänen messen konnten (jetzt in bezug auf kreativität und ideenreichtum): nur mal so ganz
wild in die kiste gegriffen: Amon Düül; Kraan; Epsilon, Nine Days Wonder, Virus; Birth Controll, Thirsty Moon und meine
absoluten favoriten, Out Of Focus. die konnten schon alle mithalten und waren meist auch genau so gut drauf (und
wahrscheinlich auch so gut eingeraucht), wie die Dänen.
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